Manfred Barbarini Lupus

Cantus coagulatus - vierstimmige Kompositionen für Messe und Offizium für das Kloster St. Gallen (um 1560)

Tracklisting

In festo Sancti Galli ad vesperas; Ad missam; In festo Sancti Othmari; In festo Beati Notkeri.

Beschreibung

Das Besondere an den Kompositionen Barbarinis ist nun nicht nur die Mehrstimmigkeit an sich, sondern auch ihre Machart. Bis auf ganz wenige Ausnahmen ist der zugrundeliegende Choralgesang in der Tenorstimme und in Hufnagelnotation notiert, während die umgebenden drei Stimmen von Discantus, Altus und Bassus in weisser Mensuralnotation geschrieben sind. Die rhythmische Gestaltung des Tenors geschieht nach dem Prinzip, dass jeder Ton des Choralgesangs äquivalistisch in gleiche Semibreven aufgelöst wird. Diese spezielle Kompositions- und Notationsart ist keine Erfindung Barbarinis oder St. Gallens, sondern bereits seit der Zeit um 1500 in Traktaten und anderen Kompositionen (wie etwa im Jenaer Chorbuch 35) dokumentiert. Wie ist nun die durchgängige Verwendung dieses um 1560 zunächst als antiquiert erscheinenden Satzprinzips in St.Gallen zu verstehen? Die Tradition franko-flämischer Kompositionskunst war jedenfalls in St.Gallen durchaus bekannt. Die zwischen 1512 und 1521 entstandene Orgeltabulatur des St. Galler Organisten Fridolin Sicher (1490–1546, Cod. 530) vermittelte solche geistlichen und weltlichen Kompositionen in das Kloster, ebenso Sichers Liederbuch von 1545 (Cod. 461). Es handelt sich also nicht um Unkenntnis, sondern um eine bewusste Entscheidung, die vor dem Hintergrund des Spannungsfelds zwischen langer Eigentradition des Klosters, den kompositorischen Innovationen des 16. Jh. und humanistischer sowie gegenreformatorischer Bestrebungen im Kontext des Trienter Konzils zu sehen ist.

Komponist

Manfred Barbarini Lupus (um 1560)

Mitwirkende

Ensemble Ordo Virtutum; Stefan Johannes Morent, Gesamtleitung

CD-Bestellnummer

MGB CD 6286

MP3-Hörprobe

EAN-Code

7613295408029

CHF 22.00 Add